Historie des Göttinger Wochenmarkts
Mittelalter | 19. Jahrhundert | 1900 bis heute | Quellen
Im 19. Jahrhundert
Anfang des 19. Jahrhunderts begann die wachsende Stadt wieder vermehrt Händler, auch von außerhalb, anzuziehen. Nun wurden bereits an drei Tagen Waren verkauft: dienstags, donnerstags und samstags, wie es auch heute der Fall ist.
Der eigentliche Marktplatz vor dem Alten Rathaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für den sich immer mehr ausdehnenden Wochenmarkt zu klein, so dass sich der Handel auf die angrenzenden Straßen ausbreitete. Aufgrund des Platzmangels wurde in der Marktordnung von 1900 auch der Verkauf im übrigen Stadtgebiet erlaubt, durch Umherfahren oder -tragen der Waren.
Vor allem Marktfrauen boten ihre Waren auf dem Markt an. Sie kamen vornehmlich aus armen Dörfern im Göttinger Umkreis, aber auch aus dem Solling und aus dem Bramwald. Mit ihren eigenen Erzeugnissen und auch mit aufgekauften Waren, darunter Butter, Wurst, Speck und Schinken, konnten sie in Göttingen relativ gute Preise erzielen. Im Sommer kamen große Mengen an Beeren aus den Wäldern hinzu. Schwer bepackt legten diese Frauen, die auch Höckerweiber genannt wurden, oft mehr als 20 Kilometer zu Fuß zurück, um in die Universitätsstadt zu gelangen. Hier entbrannte nicht selten ein zäher Kampf um die Kundschaft und um den besten Verkaufsplatz. Dabei kam es auch zu Konflikten zwischen den Göttinger Marktleuten und den Höckerweibern, da letztere ihre Waren oft billiger anbieten konnten. Dies verleitete die Göttinger Händler gar dazu, die Marktfrauen aus dem ländlichen Gebieten öffentlich abzuwerten. Um die lästige Konkurrenz zu entschärfen verbreiteten sie, dass das angegebene Gewicht von Butter oder Wurst bei den Höckerweibern oft zu hoch angegeben sei. |


